»Die KI soll demokratisiert werden«

Prof. Dr. Kristian Kersting und Prof. Dr.-Ing. Mira Mezini. Bild: Claus Völker

Ihre Rolle ist es, für das neue Hessische Zentrum für Künstliche Intelligenz (KI) zu sprechen: Prof. Dr.-Ing. Mira Mezini und Prof. Dr. Kristian Kersting, beide aus dem Fachbereich Informatik der TU Darmstadt, ordnen die Ziele und besonderen Treiber-Wirkungen des Zentrums ein.

Derzeit werden in Deutschland eine Vielzahl von KI-Professuren eingerichtet. Wie grenzt sich das KI-Zentrum davon ab?

Kristian Kersting: Es werden nicht nur neue Professuren an den beteiligten Hochschulen eingerichtet. Es ist auch nicht nur ein Zentrum. Es ist ein Zentrum mit einem zukunftsgerichteten und international konkurrenzfähigen Forschungsprofil und einer klaren Forschungsagenda. Unser wissenschaftliches Leitziel ist die Etablierung der dritten Welle der KI – neuartige KI-Systeme, die menschenähnliche Kommunikations- und Denkfähigkeiten haben, neue Situationen erkennen und sich selbstständig an diese anpassen. Das erfordert einen Dreiklang aus KI-Algorithmen, KI-Systemen und Synergieeffekten zwischen natürlicher und künstlicher Intelligenz. Dieser visionäre Dreiklang ist eingebettet in eine starke Computer-Infrastruktur speziell für moderne KI.

Mira Mezini: Im Zentrum werden die algorithmischen Grundlagen für neuartige Künstliche Intelligenzen im Einklang mit Erkenntnissen über natürliche Intelligenz erforscht. Darüber hinaus sollen grundlegende Probleme und Methoden der Informatik an sich neu gedacht werden – und zwar nicht nur mit dem Ziel, Maschinelles Lernen, Denken und den »gesunden Menschenverstand« nahtlos zu integrieren und interaktiv zu gestalten, sondern weitestgehend zu automatisieren. Damit könnten Softwareentwickler, die nicht KI-Experten sind, in die Lage versetzt werden, robuste, sichere und effiziente KI-Systeme zu entwickeln – die KI soll sozusagen demokratisiert werden.

Gibt es neben Spitzenforschung weitere Ziele, die mit dem Hessischen KI-Zentrum verfolgt werden?

Kersting: Das Zentrum wird nicht nur Spitzenforschung vorantreiben, sondern auch die Anwendung von KI befördern. Indem Wirtschaft, außeruniversitäre Wissenschaft und gesellschaftliche Gruppen im KI-Zentrum eng miteinander zusammenarbeiten, entsteht ein Innovationsökosystem. Forscherinnen und Forscher, Anwender und Anwenderinnen treffen sich, forschen zur KI, entwickeln verantwortungsvolle und menschenzentrierte KI und transferieren die Ergebnisse.

Mezini: In einem solchen Ökosystem existieren optimale Bedingungen, damit neue Start-ups entstehen, Unternehmen von der Forschung profitieren, Anwendungen die Forschung herausfordern und KI-Nachwuchskräfte, aber auch Investoren aus der ganzen Welt angezogen werden.

Warum ist der Hauptsitz des Hessischen KI-Zentrums an der TU?

Mezini: Bereits heute verfügt die TU Darmstadt über international hoch angesehene KI-Kompetenzen, die ein breites Spektrum abdecken – von KI-Systemen bis zu den Computationalen Kognitionswissenschaften. Wir sind jedoch nicht nur stark in der Kern-KI. Auch in der interdisziplinären Forschung, die spezifische KI für andere Disziplinen wie etwa Materialwissenschaften oder Maschinenbau entwickelt, ist die TU Darmstadt hervorragend positioniert. In einem TU-weiten Workshop haben wir bereits vielfältige Anknüpfungspunkte für gemeinsame interdisziplinäre KI-Forschung identifiziert. Zusätzlich verfügen wir über etablierte Transferstrukturen, wie zum Beispiel das Kompetenzzentrum Mittelstand 4.0 mit seinen KI-Trainern und das vom Bundesforschungsministerium geförderten Kompetenzzentrum für Arbeit und KI (kompAKI). Zudem kann das Zentrum von der langjährigen Zusammenarbeit zwischen Philosophie und Informatik, dem in Darmstadt ansässigen Zentrum für verantwortungsbewusste Digitalisierung sowie unserer starken Cybersicherheitsforschung und dem Nationalen Forschungszentrum für angewandte Cybersicherheit ATHENE profitieren, damit eine verantwortungsvolle KI entsteht.

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